Am 29. März 2023 trafen sich mehr als 20 Männer im Hof des Sammlungszentrums des Schweizerischen Nationalmuseums in Affoltern am Albis, neugierig was sich hinter den mit rostigen Stahlplatten verkleideten Gebäuden verbirgt.

Die Gruppe wurde von Herrn Stefanutto empfangen, der durch die Anlage führte. Durch Umnutzung des ehemaligen, 1985 erbauten Zeughauses in Affoltern am Albis entstanden, bringt die Anlage nun Sammlungen aus den früheren acht an unterschiedlichen Orten gelegenen Depots des Schweizerischen Nationalmuseums zusammen. Beim Umbau wurde auf einen niedrigen Ressourcenverbrauch geachtet. Es wurde so viel wie möglich von den vorhandenen Gebäuden verwendet. Damit konnten die Baukosten für den gesamten Komplex bei 35 Mio. CHF gehalten werden. Durch eine sehr gute Isolierung kann die auf dem Dach installierte Solaranlage zusammen mit einer Wärmepumpe mittlerweile bis zu 50% der benötigten Energie liefern.
Zum Schutz der Kulturgüter werden Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Gebäude in definierten Grenzen konstant gehalten.
Die Aussenhülle des Baus besteht aus rostigem Stahl. Diese symbolisiert Kraft und Beständigkeit und damit die Bewahrung der hier gelagerten Kulturgüter für die Ewigkeit. Der Rost symbolisiert den Wandel von Kulturgütern und zeigt den Gegensatz zwischen Vergänglichkeit und Bewahrung von Kulturgütern.
Aus technischen Gründen sind die Stahlplatten zweiteilig. Die Trennlinie zwischen unterem und oberem Teil zeigt das Höhenprofil der Schweizer Grenze, beispielsweise sind Genfer See und Matterhorn zu sehen.
Eine Uhr im Eingangsbereich des Dienstleistungszentrums zeigt die Zeit seit der Eröffnung im Jahr 2007 an.

Bei unserem Besuch 5623 Tage!
Die Gruppe erwartete nun gespannt, auch die beiden anderen Gebäude zu sehen: die Restaurierungs- und Konservierungswerkstatt und das eigentliche Depot.

Beeindruckend ist die Grossrestaurierung. Momentan stehen dort zwei Objekte: eine komplettes Täferzimmer im Art Deco Stil, 1922 an der Exposition national d’art appliqué in Lausanne gezeigt, und eine ebenfalls vollständige achtteilige Theaterkulisse. Diese wurde in einem Schlosses am Genfer See gefunden und seinerzeit dort für Privataufführungen verwendet. Die Restaurierung ist besonders schwierig, da die einzelnen Teile beidseitig bemalt sind. Damit liessen sich vier Szenenbilder darstellen: eine Küche, ein Salon, ein Garten französischer Art und eine Ruine. Genutzt und bespielt wurde das kleine Theater von den Bewohnern des Schlosses. Die Arbeit an einem Objekt kann sich als sehr aufwändig herausstellen. Sie muss sorgfältig geplant und neue Techniken müssen ausprobiert werden. Oft wird an mehreren Objekten gleichzeitig gearbeitet.

Die Arbeiten dienen dem Erhalt des Kulturgutes, und um die Objekte für Ausstellungen vorzubereiten.
Heute werden Kulturgüter möglichst im Originalzustand belassen und so gelagert, dass dieser erhalten bleibt. Muss etwas restauriert werden, soll klar zu sehen sein, was original ist und was ausgebessert wurde.

Mehr und mehr wird auch die digitale Vergangenheit ein Thema. Daten lassen sich nur schlecht unabhängig von einem Medium und notwendiger Technik speichern. Die langfristige digitale Aufbewahrung fordert auch das Schweizerische Nationalmuseum.
Anschliessend ging es ins eigentliche Depot. Die meisten Neuzugänge stammen aus Erbschaften oder Schenkungen. Sie werden nach ihrer Bedeutung für die Schweizer Geschichte und bezüglich ihrer Einzigartigkeit beurteilt. Bedeutsame Stücke werden aufgenommen und verlassen das Depot nur noch als Leihgabe für Ausstellungen. Eine Abgabe oder ein Verkauf ist nicht vorgesehen. Bei Verdacht auf Schädlingsbefall kommen neue Objekte zuerst in eine achtwöchige Quarantäne, um das Einbringen von Schädlingen auszuschliessen.
Das Depot beherbergt 870 000 Objekte. Zwar ist noch etwas Platz vorhanden, doch um den Auftrag vom Bewahren von Kulturgut zu erfüllen, muss auch an den zukünftig benötigten Platz gedacht werden, weshalb eine Erweiterung schon in Planung ist.

Welche der vielen Gegenstände konnte die Gruppe sehen?
Einen Tennisschläger von Roger Federer und das erste Natel mit Power für ein Telefonat von 3 Minuten und einem Neupreis von 16 000 CHF (vor 45 Jahren).

Besonders Ende des 19. Jahrhunderts sammelte man historische Zimmer. Einige wenige sind im Landesmuseum Zürich ausgestellt. Die meisten davon sind in Affoltern am Albis neben einer grossen Anzahl interessanter historischer Möbel eingelagert.
Eine grosse Waffensammlung, insbesondere von Hellebarden, wurde seitens Kanton und Stadt Zürich dem Sammlungszentrum als sogenannte Morgengabe zur Gründung des Schweizerischen Landesmuseums überlassen.



Vorbei an vielen Kutschen, Schlitten und Kanonen ging es zu einem wiederaufgebauten Büroraum der ehemaligen Seidenfirma Abraham. Das Textilarchiv besteht aus mehreren tausend Einzelstücken, mehrheitlich Stoffmuster aller gefertigten Textilien. Die Firma belieferte einst grosse Modelabel wie Yves Saint Laurent, Christian Dior, und viele andere, bevor sie 2002 in Konkurs ging.

Damit endete der fast 90-minütige spannende Rundgang durch das Sammlungszentrum.
Mit grossem Applaus bedankte sich die Gruppe bei Herrn Stefanutto für die interessante Führung. Ein Teil der Gruppe beschloss den Abend in gemütlicher Runde in der Bar break.ch in der Nähe des Sammlungszentrums.




























































